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So geht Hausboot

So geht Hausboot

Ein Hausboot mieten, schön und gut. Aber wie funktioniert so ein Hausboot eigentlich in der Praxis? Wohnen, Schlafen, Kochen, all das will auf kleiner Fläche geregelt sein. Ist es auch, in immer wiederkehrenden Mustern. Ein 3-D-Modell zeigt Ihnen, wie Bootsurlaub von der praktischen Seite her auf dem Hausboot von statten geht.

Wichtig sind auch die Themen Duschen und Baden auf dem Hausboot sowie die Frage nach der Stromversorgung sowie der Toilette. Alles hat an Bord seinen speziellen Platz – die Frage ist nur, wo ist was? Wer beim Mieten eines Hausbootes gut beraten sein will, der schaue sich vorab gut die Bilder, vor allem aber die Grundrisse in den Charterkatalogen und auf den Webseiten der Hausboot-Anbieter an.

 

Standard-Hausboot mit Funktionen

 

Hausboot fahren

Für Amateuercrews gilt: Es gehören mindestens zwei Personen an Bord. Ein Hausboot wird über den Steuerstand bedient. Dieser befindet sich bei den meisten Hausbooten und Motoryachten an Deck wegen der besseren Rundumsicht. Einige Boote haben jedoch auch oder stattdessen einen Innensteuerstand. Am Steuerstand befinden sich neben dem Steuerrad und dem Gashebel in der Regel auch alle wichtigen Navigationsinstrumente wie Tiefenmesser (Echolot), Geschwindigkeitsmesser (Log), Ruderstandsanzeige und Kompass. Die meisten Hausboote sind mit einem sogenannten Bugstrahlruder ausgestattet. Dieses funktioniert wie eine Unterwasserdüse, die ihre Lenkwirkung seitlich zur Fahrtrichtung ausübt. Insbesondere bei An- und Ablegemanövern ist dieser Helfer beinahe unverzichtbar. Manche Hausboote haben ergänzend ein Heckstrahlruder mit der gleichen Funktion. Die zweite Person an Deck assistiert dem Bootsführer beim An- und Ablegen (Festmachen der Leinen) sowie in Schleusen. Weitere Helfer an Bord erleichtern die Manöver, wenn die Crew gut aufeinander abgestimmt ist. Die Verantwortung trägt in jedem Fall der Bootsführer und seinen Anweisungen sollte Folge geleistet werden.

Wohnen

Die meisten Hausboote und Motoryachten verfügen über einen sogenannten Salon, der sich unter Deck befindet. Ausgestattet mit Sitzmöbeln, ist er der präferierte Aufenthaltsort an kühlen Abenden und bei Schietwetter. Einige Hausboote und Motoryachten sind mit TV und DVD-Player ausgestattet. Es ist zu beachten, dass der Empfang von Satellitenprogrammen und DVB-T-Funk in einigen Gebieten der Gewässer nur eingeschränkt oder gar nicht funktioniert. Viele Hausboote und Motoryachten bieten die Möglichkeit, die Sitzmöbel zu einer zusätzlichen Schlafstätte für ein bis zwei Personen umzubauen. In den Beschreibungen der Hausboote ist dies durch (X+1) oder (X+2) gekennzeichnet. X steht für die Zahl der festen Kojen, die nicht umgebaut werden müssen. Manche kleineren Hausboote und Motoryachten sind auf den Umbau des Wohnsalons zur Schlafkabine angewiesen.

Schlafen

Je nach Größe des Hausboote oder der Motoryacht, ist das Boot mit unterschiedlich vielen Schlafkabinen ausgestattet. Üblich ist zum Beispiel die Aufteilung mit Vorder- und Hinterkabine (Bug- und Heckkabine). Es gibt unzählige Varianten mit einer bis fünf Kabinen, die vorab in der Schiffsbeschreibung abzulesen sind (Grundriss). Es ist zu beachten, dass die Betten (Kojen) in der Regel etwas schmaler und zum Teil kürzer sind, als zu Hause. Fragen Sie Ihren Anbieter vorab nach den Abmessungen, um sicherzugehen, genügend Komfort bei Ihrem Bootsurlaub vorzufinden. Manche Kojen können variabel gehandhabt werden – als Einzelbetten oder – zusammengeschoben – als Doppelbett. Auch Doppelstockbetten (Stockbetten) sind keine Seltenheit und manche Dreier-Kabine kombiniert ein Doppelbett mit einer weiteren festen Koje darüber. Bei sogenannten V-Kojen wird zumeist im Bug des Hausbootes die Form des sich verjüngenden Grundrisses aufgegriffen, wobei die beiden Schlafflächen V-förmig an den Enden zusammenlaufen. Viele Hausboote bieten die Möglichkeit zur Aufbettung mit variablen Schlafplätzen, die zum Beispiel im Salon aus den Sitzmöbeln umgebaut werden können. Eine andere Variante ist das Einhängen einer weiteren Liegefläche über den festen Kojen. In der Bezeichnung der Anzahl der Schlafplätze wird in feste und variable Kojen unterschieden. Beispiel: 4+2 bedeutet, dass vier feste Kojen und zwei Schlafplätze, die durch Umbau hergerichtet werden, an Bord zur Verfügung stehen. Diese Zahl sollte mit der Anzahl der Kabinen sowie dem Grundriss des Bootes aus der Bootsbeschreibung beim Anbieter abgeglichen werden. So erhält man ein gutes Vorstellungsvermögen über die Platzkapazitäten an Bord. Es wäre noch daran zu denken, dass der Raum an und unter Deck mit jedem weiteren Crewmitglied abnimmt. Mitunter stellt es eine komfortablere Lösung da, nicht alle angegebenen Schlafplätze auszunutzen und insbesondere auf die Nutzung von Umbauschlafplätzen zu verzichten, wenn es das Urlaubsbudget ermöglicht. Denken Sie auch an die Schnarcher unter Ihnen und die begrenzten Ausweichmöglichkeiten, die ein Boot bietet.

Kochen

Hausboote und Motoryachten sind in der Regel mit einer kleinen Küche ausgestattet, die allgemein als Pantry oder Pantryküche bezeichnet wird. Üblicherweise verfügt eine Pantry über einen Mehrflammenherd (auf Gas- seltener auf Dieselbasis). Zusätzlich bieten manche Vermieter von Hausbooten auch Mikrowelle und Backofen an. Die Küche ist in der Regel mit Koch- und Essgeschirr ausgestattet. Oft gibt eine Inventarliste in der Bootsbeschreibung an, wie viele Gedecke der Hausstand des Bootes umfasst. Gerade wenn das Boot mit Aufbettung genutzt wird, sollte geprüft werden, ob genug Teller, Tassen und Bestecke vorrätig sind. Die meisten Hausboot und Motoryachten verfügen über einen oder mehrere Kühlschränke. Bedenken Sie, dass auch hier die Kapazitäten für die Verstauung des Proviants endlich sind – ein Hausboot ist kein Kühlfrachter. Häufig anzutreffen sind ebenso Kaffeemaschine und Toaster in der Grundausstattung. Lesen Sie unter “Stromversorgung”, was Sie bei deren Benutzung beachten sollten. Bevor Sie Ihre Reise auf einem Hausboot antreten, sollten Sie eine Packliste beherzigen. Für alle Fälle denken Sie an ein Schweizer Taschenmesser, das als Korkenzieher, Dosenöffner etc. wertvolle Dienste leistet, sollte Ihr Boot einmal nicht optimal ausgestattet sein. In der Regel geben sich die Vermieter jedoch Mühe, dass es beim Kochen an nichts Rudimentären fehlt.

Essen

Einige Hausboote und Motoryachten verfügen über eine vom Salon separierte Essecke – eine sogenannte Dinette. Nicht immer finden alle Personen auf einmal an ihr Platz. In manchen Hausbooten erfüllt der Salon die Funktion, gemeinsam die Mahlzeiten einzunehmen. Auch hier gilt: Prüfen Sie, wie viele Sitzplätze rund um den Tisch zur Verfügung stehen – möglichweise muss sonst im Staffelsystem – wie auf Kreuzfahrtschiffen – gespeist werden. Nicht zu verachten ist die Möglichkeit, Frühstück, Mittag, Abendbrot an Deck einzunehmen. Viele Hausboote und Motoryachten verfügen über Deckmobiliar, die das Speisen unter freiem Himmel möglich machen. Bei Motoryachten befindet sich Platz für die gemeinsame Runde meist auf dem Achterdeck, das heißt beim Fahrstand hinten. Bedenken Sie, dass es den Komfort beeinflusst, wie viel dieser Fläche von einem Sonnen- bzw. Regenverdeck “überdacht” ist. Sowohl Regen als auch Hitze sind als Außeneinflüsse nicht zu unterschätzen. Aber auch Sonnenschirme können eingesetzt werden, unter Beachtung der Windverhältnisse. Manches Hausboot verfügt über eine separate Sonnenterrasse mit sehr viel Platz für Tisch, Stühle und Bänke. Insbesondere für große Crews stellt ein geräumiges Oberdeck – ob nun mitschiffs, über dem Heck oder zum Teil auch über dem Bug – ein wichtiges Wohlfühlkriterium dar. Bei der Vielzahl von Restaurants am Wasser ist die Versorgung an Land immer eine große Versuchung, die Vorräte an Bord unangetastet zu lassen.

Duschen

Der große Teil der Hausboote und Motoryachten ist zumindest mit einer sogenannten Nasszelle ausgestattet. Oft befinden sich sogar mehrere Sanitärräume unter Deck. Gehen Sie davon aus, dass das Platzangebot in einem Wasch- und Toilettenraum an Bord nicht mit den Verhältnissen bei Ihnen zu Hause verglichen werden kann. Alles ist zumeist etwas kleiner und wesentlich enger. Dank integrierter Frischwassertanks besteht in der Regel die Möglichkeit, eine Dusche mit Warmwasserversorgung zu benutzen (meist dient die Motorabwärme als Heizquelle). Je nach Bootstyp fällt die Duschkabine mal größer, mal kleiner aus. Oftmals fungiert der gesamte Sanitärraum auch als Duschkabine mit einem Bodenabfluss. Sogenannte Kombi-Duschen verbinden Wasserhahn des Waschbeckens mit ausziehbarem Duschkopf. Alternativ bieten einige Boote auch Außenduschen (zum Teil mit Warmwasser) auf der Badeplattform. Insbesondere nach einem Sprung ins Seewasser ist eine anschließende Brause unter freiem Himmel ein Erlebnis – und mehr Platz ist in der Regel dort auch. Bitte denken Sie immer an die Umwelt. Nicht alle Boote verfügen über ein Auffangsystem für das Brauchwasser aus Dusche und Waschbecken (Abwassertank). Konkret: Das Brauchwasser geht nach außen in den See! Nutzen Sie deshalb nur biologisch einwandfrei abbaubare Dusch- und Pflegemittel. Das gilt auch für Ihren Abwasch in der Küche. Das Gesetz verpflichtet gewerbliche Vermieter, zumindest das Brauchwasser der Toilette in einer geeigneten Vorrichtung zu sammeln. Meine Empfehlung: Sollten Sie bei Privatleuten oder wen auch immer chartern, akzeptieren Sie keine Boote mit sogenannter Seetoilette, bei der das WC direkt ins Gewässer entsorgt wird. (Einige Hausboote verfügen an Bord über sogenannte Trockentoiletten [Salzkristalle], Chemietoiletten [wie beim Caravaning] oder Biokläranlagen [bakterieller Abbau] Das ist allemal besser als eine Seetoilette). Optimal sind Hausboote, die sämtliches Brauchwasser in einem speziellen Tank auffangen wird. Fragen Sie einfach mal Ihren Vermieter, was er Ihnen dazu anbieten kann. Bei größeren Crews empfiehlt es sich, länger über die Wahl des Bootes im Hinblick auf die Zahl der Nasszellen an Bord nachzudenken. Es soll ja Leute geben, die auf ein eigenes Bad bestehen – und einige Boote bieten deshalb auch zu jeder Schlafkabine ein Bad mit Dusche und WC oder zumindest nur WC an. Unter den Nasszellen findet man alle Varianten der Kombination von Dusche, WC und Waschbecken. Manchmal sind Dusche und WC getrennt. Manchmal ist nur eine von mehreren Nasszellen an Bord mit einer Dusche ausgestattet. Dazu lesen Sie am besten genau die Bootsbeschreibung und vergegenwärtigen sich die Ausstattung auf den dargestellten Grundrissen. Bei allem Planungsaufwand sollte jedoch eins nicht vergessen sein: Erfahrene Bootscrews nutzen die Sanitäranlagen in den Häfen. Für ein Entgelt bieten dort meist geräumige und moderne Dusch- und WC-Räume mehr Komfort als es ein Hausboot naturgemäß vermag. Meist sind die Sanitäranlagen nur ein Katzensprung weit vom Bootssteg entfernt. Duschmünzen gibt es in der Regel beim Hafenmeister.

Baden

Jedes Hausboot und jede Motoryacht verfügt über eine Badeplattform, zumindest aber eine Badeleiter. Allein schon deshalb, damit Personen, die unfreiwillig über Bord gehen, wieder an Deck gelangen. Als Badeplattform wurde schon manch kleiner Absatz am Heck eines Bootes bezeichnet – Größe ist relativ. Nutzen Sie die Bilder der Bootsbeschreibung, um sich einen Eindruck von den Dimensionen der deklarierten Badeplattform zu machen – die Unterschiede sind gewaltig – die Mietpreise zum Teil aber auch. Ein Bruchteil der angebotenen Hausboote und Motoryachten verfügt über einen kleinen Pool an Deck – mitunter mit Whirlpool (aka Jacuzzi). Manches Boot bietet auf der Badeplattform eine Außendusche, zum Teil sogar mit Warmwasser. Noch ein Sicherheitshinweis: Denken Sie immer daran, dass der Motor vor einer Badesession ausgeschaltet sein muss. Schiffsschrauben am Heck stellen unter Betrieb eine große Unfallgefahr dar. Statten Sie außerdem ungeübte Schwimmer und Nichtschwimmer mit Schwimmwesten und Schwimmhilfen aus. Halten Sie sich von Seerosen und Schlingpflanzen fern und meiden Sie stark strömende Gewässer.  

Stromversorgung

Hausboote und Motoryachten verfügen in der Regel über eine Stromversorgung an Bord. Zum Teil kann diese auch während der Fahrt genutzt werden, wenn das Boot mit einem sogenannten Umformer ausgestattet ist. Dieser wandelt die Elektrizität der Batterien in 230-V-Strom für die Steckdosen an Bord. Häufig haben Boote aber nur einen Landanschluss – das heißt, große Verrbaucher wie Fernseher, Mikrowelle und Fön sind nur über ein Verbindungskabel zum Stromanschluss im Hafen (gegen Nutzungsentgelt) benutzbar. Manche Vermieter statten Ihre Boote mit speziellen Elektrogeräten aus, die auch unter 24-V (dass heißt mit Bordstrom) funktionieren. Fragen Sie Ihren Anbieter genau nach den Nutzungsmöglichkeiten, wenn Ihnen dieses Thema wichtig ist. Beachten Sie auch, dass manche elektrischen Geräte wie z.B. Laptops anfällig auf Stromschwankungen sind, die bei der Nutzung der Bordelektrik auftreten können. In der Regel lassen sich Handys über das Bordnetz aufladen. Apropos Mobiltelefon: Seien Sie sich darüber im Klaren, dass nicht jeder Winkel unserer heimischen Gewässer im Sende- und Empfangsgebiet der Telekommunikationsanlagen liegt. Funklöcher sind noch keine Seltenheit. Nichtsdestotrotz wird auch bei Booten kommunikationstechnisch aufgerüstet. Die ersten Boote mit W-Lan und Internetverbindung sind auf dem Markt und die Zahl der mobilen Anwendungen für Smartphones mit maritimen und touristischen Dienstleistungen ist stark steigend. Nicht alles davon ist nutzwertig, wenn man bedenkt, dass es konventionelle Hilfsmittel wie Gewässerkarten und Navigationsinstrumente auch und oft zuverlässiger tun.

Kinder an Bord

Wenn Sie Ihre Kinder unter Kontrolle haben, gibt es keinen Grund, warum Sie nicht am Hausboot-Abenteuer teilhaben sollten. Wichtig scheint mir, dass die Autorität des Bootführers respektiert wird. (Meist stellt sich der nötige Gehorsam von ganz allein ein – denn Kinder sind ja nicht doof und wissen, was gesund für sie ist.) Achten Sie besonders darauf, dass mitfahrende Kinder mit den Sicherheitsvorkehrungen an Bord vertraut gemacht werden (mehr noch, als alle anderen Crewmitglieder). Lassen Sie Ihre Kleinen auf keinem Fall unbeaufsichtigt. Sorgen Sie dafür, dass die passenden Rettungsmittel (Rettungsring mit Wurfleine, Booshaken) bereit liegen. Stimmen Sie mit Ihrem Vermieter ab, dass Schwimmwesten in der richtigen Größe (entscheidend sind Gewicht und Größe des Kindes) bei der Abfahrt bereit stehen. Sorgen Sie dafür, dass Nichtschwimmer und ungeübte Schwimmer in jedem Fall Schwimmwesten tragen, wenn sie sich auf dem Deck bewegen. Zusätzlich können Kleinkinder mit einer Leine am Boot festgemacht werden. Meiner Meinung haben kleine Kinder während des Schleusens bzw. beim An- und Ablegen nichts auf Deck zu suchen. Es besteht Gefahr, dass sie sich in einem unbedachten Moment die Finger klemmen oder in einer hektischen Situation unbeobachtet sind. Bei den meisten Hausbooten und Motoryachten lassen sich die Vorgänge im Hafen und in der Schleuse auch noch nah genug aus dem Salon hinter den Fensterscheiben beobachten. Bedenken Sie, dass Stufen und sonstige Unebenheiten zum Stolpern verleiten können. Machen Sie Ihren Jüngsten außerdem klar, dass Sie ohne Bootsführer nichts am Steuerstand verloren haben – insbesondere die falsche Bedienung des Schalt- und Gashebels als auch der Bug- und Heckstrahlruder können kostspielige Schäden am Boot verursachen. Ansonsten gilt wie überall der bekannte “Zuchtreim”: Messer, Gabel, Schere, Licht, dürfen kleine Kinder nicht. Meiner Meinung stellen diese kleine Regeln aber wirklich kein Hindernis dar, um ein unvergessliches Erlebnis auf dem Wasser gemeinsam mit der Familie zu genießen.