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Schleusensperrung – Geld zurück?



Kann das Schleusen-Desaster für Rückerstattungen des Mietpreises vom Hausboot-Vermieter geltend gemacht werden? Wohl kaum. Die meisten Vercharterer von Hausbooten haben sich gegen höhere Gewalt wie Hochwasser und eben auch Streiks in ihren AGB abgesichert und übertragen das Risiko für entgangene Urlaubsfreuden auf ihre Kunden.

In der Argumentation zieht man sich dabei auf die Position zurück, lediglich ein Boot für eine gewisse Zeit vermietet zu haben – nicht jedoch Reiseleistungen zu verkaufen. Die Logik: Eine Autovermietung wird ja ebenfalls nicht für entgangene Urlaubszeit durch stundenlanges im Stau-Stehen aufkommen. Geld gibt es also ganz sicher nicht zurück.

Abgabetermin Hausboot – was passiert?

Kniffliger ist die Frage, wenn es um Einhaltung von Abgabeterminen der Hausboote geht, die sich durch den Streik der Schleusen verzögern kann – insbesondere bei Einwegtörns mit vielen Schleusen.
Es ist damit zu rechnen, dass der Vermieter auf einer pünktlichen Abgabe besteht – stehen doch Anschlussmieten ins Haus – so gut wie alle Hausboote sind während der Hauptferienzeit ausgebucht. Die nächsten Mieter des Hausbootes freuen sich schon.

One-Way-Törns – zeitlich zumutbar?

Daher sollte abgewogen werden, ob die Forderung des Vermieters, die notwendige Fahrtstrecke in der verbleibenden Restzeit zurückzulegen, zumutbar bzw. überhaupt machbar ist.
Was zumutbar ist, müssten im Ernstfall natürlich Gerichte klären. Aber, der gesunde Menschenverstand sagt, dass es nicht mehr als 10 Betriebsstunden pro Tag sein müssen- inklusive Schleusenwartezeit. Schließlich ist es gerade in diesen Tagen sehr heiß auf den Booten – manch ein Hausboot ist gar ohne Sonnenschutz oder nur von Innen steuerbar. Die Ausstattung und die Außentemperaturen wirken sich ebenso auf die Zumutbarkeit aus.

Variante: Außerplanmäßiges Ziel

Ein Verfahren, dass jedoch in den vergangenen Jahren bei Schleusensperrungen durch Hochwasser und den daraus folgenden Abgabeterminproblemen etabliert wurde, ist die außerplanmäßige Beendigung der Hausbootmiete in einem anderen Zielhafen. Der Hausbootvermieter dürfte dann für den Transfer zum Abgabe- bzw. Ausgangshafen sorgen – und die Anschlusscrew wird an einem alternativen Hafenort ihre Fahrt beginnen müssen. Im Rahmen der Aufgabe, das beste aus der Situation zu machen, sollte diese Lösung als zumutbar und regulär durchgehen – auch wenn es für alle Beteiligten einen erhöhten Kraftaufwand bedeutet. Es gilt, den Hausbooturlaub noch bestmöglich trotz Einschränkungen zu genießen.

Hoffen auf Kulanz

Sollte der Hausbooturlaub gründlich ins Wasser gefallen sein, weil das Boot für mehrere Tage in einem unattraktiven Gewässerabschnitt von den Streikenden in Geiselhaft genommen wurde, bleibt noch die Hoffnung auf Kulanz des Hausbootvermieters – auch wenn ihn keine Schuld trifft. Denkbar wäre die Gutschrift von einigen Tagen im Zusammenhang mit einer Wiederbuchung. Freundliche Bootsvermieter werden unzufriedene Kunden mit diesem Ausgleich besänftigen wollen. Es kommt also auf die Art der Kulanz an – mit einem 50-Euro-Gutschein allein wird der Unmut nicht aus der Welt sein. Mieter und Vermieter sollten sich also beide als Betroffene sehen und gemeinsam versuchen, den “Schaden” zumutbar für beide Seiten zu regulieren. Anspruch gibt es darauf jedoch nicht.

Dennoch gilt auch für den ungünstigsten Fall, wenn etwa eine Schleuse direkt vor den Toren der Charterbasis liegt und eine führerscheinfreie Hausboottour unmöglich macht: Man hat nur ein Hausboot gemietet und keine Ansprüche, damit durch Schleusen zu fahren. Wer bei einem größeren Anbieter von Hausbootmieten gebucht hat, kann noch versuchen, auf ein anderes Hausboot an einem günstigeren Standort umzubuchen – jedoch muss dort auch erst einmal etwas frei verfügbar sein – und – auch Umbuchungsgebühren und ein möglicher Ausgleich des Preisunterschiedes nach oben wären in Kauf zu nehmen. Auch hier kann man nur auf die Kulanz des Anbieters hoffen – der jedoch gut beraten sein dürfte, den Kunden nach Kräften zufriedenzustellen ohne ihm weitere Kosten aufzubürden.

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